Kreisgruppe Mainz-Bingen

Spurensuche Gartenschläfer

20. Mai 2020

Wie man dem kleinen Bilch mit der „Zorro-Maske“ helfen kann. Weiterlesen...

Dieser Gartenschläfer fühlt sich in einem naturnahem Garten sehr wohl.  (Maren Goschke)

BUND Mainz-Bingen: „Spurensuche Gartenschläfer“ – Wie man dem kleinen Bilch mit der „Zorro-Maske“ helfen kann

Wie der bekanntere Siebenschläfer und die Haselmaus gehört der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) zu den Bilchen oder auch Schlafmäusen. Der nachtaktive Gartenschläfer ist gut an seiner „Zorro-Maske“ und seinem in einer weißen Quaste endenden Schwanz zu erkennen. Nur in den warmen Monaten des Jahres ist das kleine Nagetier aktiv, denn es hält Winterschlaf. Als Kulturfolger des Menschen sind Gartenschläfer in Gärten, Weinbergen und auf Streuobstwiesen zu finden. Zum anderen gibt es Bestände in Wälder, Blockschutthalden oder Bunkerruinen. In Rheinland-Pfalz sind die Bestände stellenweise recht groß. In anderen Regionen Deutschlands ist er hingegen ausgestorben. Auch europaweit gehen seine Bestände dramatisch zurück. Die ungeklärten Bestandsrückgänge und die Vielfalt seiner Lebensräume machen ihn zu einem wichtigen Symbol für die biologische Vielfalt in Deutschland. Grund genug für den BUND, sich für seine Erforschung und seinen Schutz im Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ zusammen mit der Justus Liebig Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung einzusetzen. Mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und standardisierten Untersuchungen soll dem Ausmaß und den Ursachen des Rückgangs auf die Spur gekommen werden. Bei der Datenerhebung im Rahmen der Forschung helfen eine Vielzahl Freiwilliger. Sie spüren den Gartenschläfer mithilfe sogenannter Spurtunnel oder Wildtierkameras auf. Jede und jeder kann mitmachen. Beobachtungen können auf der Homepage www.gartenschlaefer.de gemeldet werden. Ebenso tot aufgefundene Tiere. Diese werden an die Universität Gießen geschickt und auf Krankheiten und Todesursache untersucht. Aus den Forschungsergebnissen sollen gezielte regionale Schutzmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

Gartenschläfer stehen unter besonderem Schutz. Der BUND Mainz-Bingen gibt Tipps, wie man der gefährdeten Schlafmaus helfen kann: Je naturnaher ein Garten gestaltet ist, desto eher ist er auch für Gartenschläfer ein Paradies. Einheimische Hecken, Kletterpflanzen und Staudenbeete sind gedeckte Tafeln für den Bilch. Dort findet der kleine Allesfresser sowohl Insekten und Schnecken als auch Früchte und Samen. Ein alter Bestand von Obstbäumen, wie etwa auf Streuobstwiesen, ist besonders wertvoll. Dieser bietet den Gartenschläfern sowohl ausreichend Futter als auch Baumhöhlen, die als Versteck- oder Nistplätze genutzt werden. Willkommene Schlafplätze für die nachtaktiven Schlafmäuse bieten aber auch locker verfugte Steinmauern oder Nistkästen. Regentonnen sollten abgedeckt werden, um zu vermeiden, dass Gartenschläfer und andere Tiere ertrinken. Auf Pestizide und Rattengift in Gärten sollte verzichtet werden.

Anhand typischer Hinweise kann man die Anwesenheit des Bilchs erkennen. Manchmal ist es einfacher einen Gartenschläfer zu hören, als ihn im Dunkeln zu Gesicht zu bekommen. Ganz typisch sind die Geräusche, die Gartenschläfer machen, wenn sie miteinander kommunizieren. Das Pfeifen, Murmeln und Quieken ist im Sommerhalbjahr nachts in manchem Garten zu hören. Die typischen Geräusche des Gartenschläfers zum Nachhören: www.gartenschlaefer.de/geraeusche. Da heimisches Obst ganz oben auf dem Speiseplan der Gartenschläfer steht, finden sich immer wieder typische Fraßspuren in Apfel & Co. Auch an Schneckenhäusern kann man spezifische Fraßspuren erkennen.

Das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ wurde  am 14. Mai 2020 als „Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Jury lobt besonders, wie die Öffentlichkeit für diese kleine Tierart mitgenommen wird, durch Medienarbeit sowie durch zahlreiche Mitmachangebote. Gefördert wird das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und in Rheinland-Pfalz durch die Stiftung Natur und Umwelt aus Mitteln der Glücksspirale. Weitere Informationen zum Projekt in Rheinland-Pfalz: BUND Rheinland-Pfalz, www.bund-rlp.de/gartenschlaefer, Projektleiterin Ines Leonhardt, ines.leonhardt(at)bund-rlp.de

Kontakt BUND Mainz-Bingen: Alexandra Stevens, a.stevens(at)bund-rlp.de, https://mainz-bingen.bund-rlp.de/

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