Kreisgruppe Mainz-Bingen
Jetzt spenden Mitglied werden

Rechenzentrum Rhein-Selz-Park

LANIS Rhein-Selz-Park  (LANIS)

Kennen Sie den „Rhein-Selz-Park“ zwischen Nierstein, Dexheim und Selzen? 
Nein, dies ist kein Ort für erholsame Spaziergänge oder Verweilen in der Natur. Es ist eine Brache.

Zwischen 1953 und 2009 war dies ein Kasernengelände für eine Division der US Army. Noch immer stehen dort halb verfallene Gebäude – mit Spuren von zwischenzeitlicher Nutzung. Nach jahrelanger Suche nach einem Nutzungskonzept sind nun auf dem Großteil des Geländes Rechenzentren geplant. Ein anderer Teil ist für die flankierende Ansiedlung von Gewerbebetrieben vorgesehen.

Viele Bürger und Kommunalpolitiker freuen sich über eine zukunftsorientierte Nutzung des Geländes mit Aussicht auf neue Arbeitsplätze, Ansiedlung weiterer Firmen, erhöhte Attraktivität der Region für zuziehende Bürger und deutlichen kommunalen Einnahmen.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass für diese Gewerbeansiedlung keine großflächigen Wiesen zubetoniert oder wertvolle Bodenflächen z.B. der Landwirtschaft entzogen werden. Stattdessen ist die Nutzung dieser Militärbrache geplant.
 

Es gibt aber auch Schattenseiten, auf die wir in unserer Stellungnahme hingewiesen haben. 

Hier werden knapp 100 Meter lange und 30 Meter hohe Gebäude entstehen (das entspricht in etwa einem zehnstöckigen Wohnhaus) sowie nochmal 10 Meter höhere Abgaskamine. Geplant ist nicht nur ein einzelnes Gebäude: Gleich neun Gebäude werden entstehen. Ein kolossales Vorhaben – mit einer erwarteten Bauzeit von ca. zehn Jahren.

Der Betreiber rechnet mit einer elektrischen Anschlussleistung von 480 MW, nur für die Rechenleistung. Das entspricht in etwa der Anschlussleistung einer Stadt mit 500.000 Einwohnern und soll laut Netzbetreiber „nahezu ausschließlich“ aus erneuerbaren Quellen kommen. Dafür werden weit mehr als 250 dedizierte Windkraftanlagen nötig. Wo auch immer diese Anlagen erstellt werden sollen, hieraus resultieren deutliche zusätzliche Anforderungen an den Ausbau der Stromnetze.

Physikalisch wird der für die Rechner genutzte Strom nahezu vollständig in Wärme gewandelt. Somit entsteht ein riesiger Heizkörper – mitten in der Landschaft.

Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben soll diese Abwärme genutzt werden, aber das Gesetz lässt diverse Ausnahmen zu (z.B. kein Wärmenetz verfügbar, Wärmenetzbetreiber nimmt das Angebot nicht an etc.). Der RZ-Betreiber hat zwar Wärme-Übergabeeinrichtungen vorgesehen, die Verantwortung für einen Anschluss an ein Wärmenetz liegt dann aber bei dem Betreiber eines Wärmenetzes. 

Der Knackpunkt: Derzeit gibt es dort gar kein Wärmenetz, an das angeschlossen werden könnte. Die Möglichkeiten eines neuen Wärmenetztes in diesem Bereich wird nun im Zusammenhang mit dem gerade fertig gestellten Kommunalen Wärmeplan der Verbandsgemeinde Rhein-Selz geprüft – Ausgang offen. Nutzer dieses Wärmenetzes könnten evtl. die Ortschaften Dexheim und Schwabsburg sein, die aber bestenfalls nur einen sehr kleinen Anteil der verfügbaren Wärme nutzen könnten.

Weiteren Nutzungsmöglichkeiten der Abwärme sollen entwickelt werden, auch finanziell unterstützt durch den RZ-Betreiber. In unserer Stellungnahme haben wir angeregt, hierzu in Zusammenarbeit mit den Experten der TH Bingen / Transferstelle Bingen (TSB) nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten der Abwärme zu suchen. Das ist inzwischen angelaufen – konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Sämtliche nicht genutzte Abwärme wird über Kühler auf den Dächern der Gebäude an die Umgebung abgeführt. Durch eine Hochschule wurde eine großflächige Modellierung der Umgebung erstellt, mit der die Auswirkungen bei Abgabe der vollständigen Wärmemenge an die Umgebung analysiert wurde – hinsichtlich der Wärme und eventueller Auswirkungen der Gebäude auf Luftströmungen. Ergebnis: eine Änderung der Temperatur soll sowohl in der direkten Umgebung als auch im größeren Umkreis „kaum messbar“ sein. Nun, das ist zunächst schwer vorstellbar. Da können wir nur hoffen, dass die Studie zu den richtigen Ergebnissen gekommen ist. 

In unserer Stellungnahme haben wir ein kompetentes und konsequentes Monitoring gefordert. Auf die Ergebnisse dürfen wir gespannt sein. Das sind nur die wichtigsten Punkte, die wir zu den vorgelegten Planungsdokumenten angesprochen haben. Unsere Stellungnahme bieten wir Ihnen hier zum Download an.

Wir werden die weitere Entwicklung beobachten.